Fallstudien

www.konstruktion-industrie.com

Siemens und Procter & Gamble skalieren KI-gestützte visuelle Inspektion weltweit

Siemens und Procter & Gamble weiten den weltweiten Einsatz ihres gemeinsam entwickelten Visual Inspection Cockpit aus und senken damit den Ausschuss in der Fertigung um 10 bis 20 Prozent.

  www.siemens.com
Siemens und Procter & Gamble skalieren KI-gestützte visuelle Inspektion weltweit

Der Industrietechnologieanbieter Siemens und der globale Konsumgüterhersteller Procter & Gamble (P&G) erweitern den weltweiten Rollout ihres gemeinsam entwickelten KI-Qualitätsprüfsystems. Die als Visual Inspection Cockpit (VIC) bekannte Edge-basierte Plattform prüft Konsumgüter in Echtzeit während der Produktion bei voller Liniengeschwindigkeit. Dies verbessert die Qualitätskonsistenz und reduziert die Ausschussquote je nach Produktlinie um 10 bis 20 Prozent.

Kontext der Kooperation
In der Hochgeschwindigkeitsfertigung von Konsumgütern enthalten Verpackungen und Produkte häufig empfindliche, strukturierte und flexible Materialien, die sich bei hohen Geschwindigkeiten verschieben, dehnen oder knittern. Herkömmliche regelbasierte Bildverarbeitungssysteme haben Schwierigkeiten, diese feinen physikalischen Schwankungen, überlappende Komponenten oder kontrastarme Fehler zu erfassen. Zudem erfordern sie oft aufwendige Rekonfigurationen und Stillstandzeiten, sobald sich Verpackungsdesigns, Materialien oder Linienparameter ändern.

Um diese Inspektionsengpässe zu beheben und eine fehlerfreie Produktion auf Hochgeschwindigkeitslinien sicherzustellen, entstand die Kooperation zwischen Siemens und P&G. Die Zusammenarbeit kombiniert die proprietären Deep-Learning-Modelle sowie das Prozess-Know-how von P&G mit der Edge-Computing-Hardware, den Software-Skalierungsframeworks und dem industriellen KI-Portfolio von Siemens. Rainer Brehm, COO für Automation und CTO bei Siemens Digital Industries, betonte, dass das System volle Prüfgenauigkeit für Tausende von Produkten pro Minute über skalierbare Architekturen hinweg liefere und damit Herausforderungen der industriellen Bildverarbeitung löse, an denen traditionelle Systeme scheiterten.

Technische Lösung und Aufgabenverteilung
Das technologische Konzept kombiniert lokale KI-Inferenz mit Edge-Computing-Architekturen direkt an den Produktionsanlagen. Die Aufgaben sind klar verteilt, um ein skalierbares Software-Lifecycle-Management und eine deterministische Liniensteuerung zu gewährleisten:

Procter & Gamble entwickelt und pflegt die Deep-Learning-Modelle, die speziell auf Hochgeschwindigkeits-Konsumgüter, Materialverhalten und Verpackungsvarianten abgestimmt sind.

Siemens liefert die industrielle Rechenhardware, darunter Industrie-PCs mit NVIDIA-GPUs, die Plattform Siemens Industrial Edge, die Infrastruktur zur Softwareskalierung sowie den langfristigen technischen Betrieb an den Standorten.

Auf Systemebene analysiert das Visual Inspection Cockpit Live-Kamerabilder direkt bei Liniengeschwindigkeit. Als Industrial Edge-Applikation erfolgt die Inferenzverarbeitung vor Ort in direkter Nähe zu den Maschinen. Dies ermöglicht eine SPS-Integration in Echtzeit und automatische Reaktionen – etwa die Alarmierung des Personals oder das Auslösen pneumatischer Ausschleuser, um defekte Einheiten ohne Linienstopp zu entfernen. Die Plattform umfasst zudem das Visual Inspection Engineering Tool, mit dem das Anlagenpersonal Inspektionsmodelle lokal konfigurieren und aktualisieren kann, ohne auf Data-Science-Teams angewiesen zu sein. Qualitätsdaten werden kontinuierlich aggregiert, um Prozessabweichungen frühzeitig zu erkennen und langfristige KVP-Maßnahmen zu unterstützen.

Rollout und Implementierung
Die Einführungsstrategie konzentriert sich auf den weltweiten Rollout des Visual Inspection Cockpit über das gesamte Fertigungsnetzwerk von P&G. Da VIC als modularer Standardbaustein innerhalb der Siemens Industrial AI Suite konzipiert ist, können neue Linien fünf- bis zehnmal schneller in Betrieb genommen werden als maßgeschneiderte optische Prüfsysteme.

Der laufende globale Rollout bietet P&G eine lückenlose Fehlererkennung auf Hochgeschwindigkeitslinien und reduziert Rohstoffverschwendung durch die frühzeitige Identifikation von Anomalien. Durch den Einsatz von KI-Inferenz auf Siemens Industrial Edge Plattformen profitiert das Fertigungsnetzwerk von einer einheitlichen, skalierbaren Prüfarchitektur, die sich dynamisch an neue Produktdesigns und Materialwechsel anpasst.

Redaktionell bearbeitet von Romila DSilva, Redakteurin bei Induportals, mit KI-Unterstützung.

www.siemens.com

Nehmen Sie an unseren 155000 IMP Followern teil