Neues Kontrollzentrum für Mond- und Marsmissionen
Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) plant ein eigenes Kontrollzentrum für die bemannte Raumfahrt, um zukünftige Missionen jenseits des Erdorbits zu betreiben und zu überwachen und damit die operativen Kapazitäten für Mond- und Marsmissionen zu erweitern.
www.dlr.de

Das geplante Human Exploration Control Center (HECC) soll den Betrieb und die Überwachung bemannter und robotischer Missionen ermöglichen, darunter auch Module der lunarer Gateway-Raumstation sowie weitere Aktivitäten im tiefen Weltraum. Das Projekt trägt den steigenden technischen Anforderungen Rechnung, die mit einer dauerhaften Exploration von Mond und Mars verbunden sind.
Kontext und Ausgangslage
Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt ist die nationale Forschungseinrichtung Deutschlands für Luft- und Raumfahrt sowie Energie und Verkehr. Am Standort Oberpfaffenhofen bei München betreibt das DLR das German Space Operations Center (GSOC), das unter anderem für den Betrieb von Satelliten und für die bemannte Raumfahrt zuständig ist. Dazu zählt auch das Columbus-Kontrollzentrum, das den europäischen Columbus-Modulbetrieb auf der Internationalen Raumstation (ISS) steuert.
Mit dem zunehmenden Fokus auf Missionen jenseits des erdnahen Orbits stößt die bestehende Infrastruktur an Grenzen. Aktuelle Kontrollzentren sind vor allem auf Missionen in Erdumlaufbahnen ausgelegt, während Mond- und Marsmissionen deutlich komplexere Betriebsanforderungen stellen.
Technische Herausforderungen und Ziele
Die Steuerung bemannter Raumfahrtmissionen erfordert die kontinuierliche Überwachung von Raumfahrzeugen, Modulen, Lebenserhaltungssystemen und Kommunikationsverbindungen. Während in erdnahen Umlaufbahnen nahezu verzögerungsfreie Kommunikation möglich ist, führen größere Entfernungen im tiefen Weltraum zu erheblichen Signalverzögerungen und erfordern ein höheres Maß an Autonomie der Systeme.
Ziel des HECC ist es, künftige Missionen zu unterstützen, darunter den Betrieb europäischer Beiträge zur Gateway-Mondstation wie das Wohn- und Logistikmodul HALO, das internationale Habitationsmodul I-HAB sowie Kommunikationssysteme zwischen Mondorbit und Mondoberfläche. Darüber hinaus sollen dort Betriebsverfahren für langfristige Missionen zum Mars entwickelt und erprobt werden, bei denen Kommunikationsverzögerungen von bis zu 40 Minuten auftreten können.
Gewählte Lösung und Begründung
Das DLR entschied sich für den Aufbau eines neuen Kontrollzentrums als Erweiterung der bestehenden GSOC-Infrastruktur. Dieser Ansatz ermöglicht es, auf jahrzehntelange Erfahrung im Missionsbetrieb zurückzugreifen, die unter anderem aus Programmen wie Spacelab, dem Betrieb der ISS und zahlreichen Satellitenmissionen stammt.
Das HECC wird so ausgelegt, dass bis zu 200 Fachkräfte gleichzeitig arbeiten können. Mehrere Leitstände, gesicherte Serverbereiche und spezialisierte Arbeitsräume sollen den parallelen Betrieb mehrerer Missionen ermöglichen und den steigenden Anforderungen künftiger Explorationsprogramme gerecht werden.
Umsetzung und institutionelle Unterstützung
Der Bau des Human Exploration Control Center wird durch eine Förderung in Höhe von 58 Millionen Euro durch den Freistaat Bayern sowie durch rund 20 Millionen Euro institutionelle Mittel des DLR finanziert. Die entsprechende Fördervereinbarung wurde Anfang 2026 übergeben und markiert den Start der Projektphase.
Der Baubeginn ist für 2028 vorgesehen, die Inbetriebnahme des Zentrums für das Jahr 2030 geplant. Während der Entwicklungsphase arbeitet das DLR eng mit der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) und internationalen Partnern zusammen, um die Einbindung in europäische und globale Explorationsprogramme sicherzustellen.
Erwartete Ergebnisse und Nutzen
Mit dem HECC stärkt Europa seine operative Unabhängigkeit in der bemannten Raumfahrt. Das neue Kontrollzentrum soll den eigenständigen Betrieb von Mondorbit-Infrastruktur ermöglichen und die Vorbereitung auf zukünftige Missionen in den tiefen Weltraum verbessern.
Langfristig wird die Fähigkeit, Missionen mit begrenzter Kommunikationsverfügbarkeit und höherem Autonomiegrad zu betreiben, als zentrale Voraussetzung für bemannte Marsmissionen gesehen. Durch den frühzeitigen Aufbau der entsprechenden Infrastruktur und Betriebsverfahren schafft das DLR die technischen Grundlagen für eine führende Rolle Europas in der künftigen Erforschung von Mond und Mars.
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